Was passiert mit uns unter Stress?


Was passiert denn da bei Stress in unserem Körper?

Zuerst einmal ist es wichtig unser vegetatives Nervensystem zu betrachten.

Hier wirken zwei sehr unterschiedliche Dirigenten:

der Sympathikus und der Parasympathikus.

Der Parasympathische Nervensystem wird auch als das Nervennetzwerk der Ruhe bezeichnet. Evolutionär betrachtet ist es schon mindestens 500 Jahre alt und hat seine Kommandozentrale im sogenannten Reptiliengehirn, unserem Hirnstamm. Der Parasympathikus sorgt in unserem Körper dafür, dass wir uns entspannen und regenerieren können. Er reduziert Stresshormone, unterstützt den Aufbau von Energiereserven und dirigiert die meisten unserer inneren Organe und unseren Blutkreislauf.

Während der Parasympathikus also entspannende Rhythmen im Körper auslöst, uns sozusagen in die „Chill-Out-Lounge“ versetzt, wo unser Körper seine Zellen in Ruhe reparieren und regenerieren kann, hat sein „Gegenspieler“, der Sympathikus ganz anderes vor. Er hat agiert vom Hirnstamm, vom Hypothalamus aber auch im Brust- und Lendenmark aus. Der Sympathikus liebt die aktivierenden Rhythmen. Die Hauptspieler seines Orchesters sind das Herz, der Blutdruck, der Stoffwechsel und die glatten Muskeln.

Wenn wir nun in Stress geraten, unser Verstand uns dauerhaft mit Drohungen bombardiert, wie „Ich muss das noch rechtzeitig schaffen“, „Ich schaffe das nicht“, „die Deadline wartet“, dann ohje, was für eine Aussicht: die Deadline verwandelt sich in unserem Stammhirn in einen gefährlichen Säbelzahntiger, der tatsächlich unser Leben bedrohen kann:

Der Körper macht sich bereit für Kampf, Flucht oder ohnmächtige Erstarrung

Der Sympathikus hat im Laufe unserer Evolution gut gelernt, was es nun zu tun gilt: unser ganzes System muss in höchste Alarmbereitschaft gesetzt und aktiviert werden, damit wir entweder gegen den Säbelzahntiger kämpfen, genug Kraft mobilisieren, um fliehen zu können oder auch in eine Starre verfallen, die unserem Feind signalisiert, dass wir schon tot sind.

Um das zu erreichen, schickt der Sympathikus sofort seinen Animateur Adrenalin aus der Nebenniere in die Blutbahn, der dort gleich einmal den Blutdruck in die Höhe treibt und das Herz schneller schlagen lässt, damit die Muskeln mit genügend Blut versorgt werden.

Dauert der Stress länger an, dann werden auch noch andere Stresshormone in die Blutbahn geschickt, allen voran Cortisol. Stress verbraucht viel Energie, also sorgt Cortisol dafür, dass im Körper viel Zucker ins Blut ausgeschüttet wird, der unseren Muskeltonus erhöht und unseren Muskeln genug Kraft für ihren Kampf oder ihre Flucht bereit stellt.

Das Blut wird aus den Verdauungsorganen in die Arme und Beine geschickt, die Blutzufuhr in Darm und Nieren wird verringert, damit wir besser kämpfen oder schneller rennen können. Für Regeneration oder Verdauung ist jetzt wirklich nicht der richtige Zeitpunkt.

John Gray formuliert des in einem Interview in AWAKE2PARADISE so schön: „Besser nicht verdauen, als selbst verdaut zu werden“

Das ist eine optimale Reaktion unseres Körpers auf einen drohenden Kampf oder Flucht, allerdings unnötig und auf Dauer - wie wir gleich sehen werden - krank machend, , wenn wir am Schreibtisch sitzen, uns im Auto über einen anderen Fahrer oder Stau ärgern oder unserem brüllenden Chef besser nicht mit Flucht oder Kampf begegnen wollen.

Verlust unserer Empathie

Ein weiterer höchst relevanter Effekt von Stress für unsere Zwischenmenschlichen Beziehung ist, dass im „Kampf mit dem Säbelzahntiger“ auch unsere Empathie ausgeschaltet wird. Wer von unseren Vorfahren wollte sich den liebevoll mit einem zähnefletschenden Angreifer verbinden? Der aktivierte Sympathikus liebt die Herausforderung, er aktiviert unser reaktives Reptiliengehirn und lässt nicht genug Blut in unseren Frontallappen, der uns klar und liebevoll denken und handeln lassen würde.

Nun kommen zwei Menschen nach einem anstrengenden Tag voller Stress, mit aktiviertem Sympathikus zusammen, ihr inneres System ist noch immer auf „Flucht, Kampf oder tot stellen“ ausgerichtet. Gleichzeitig wünscht sich jeder von beiden, je nach Typ, entweder die Aufmerksamkeit des anderen, um von seinem Tag zu erzählen oder will einfach nur in Ruhe gelassen werden. Wie sieht so eine Begegnung wohl aus? Kommt dir das vielleicht bekannt vor?

Hatten unseren Vorfahren es geschafft, der Gefahr zu entkommen, hatten erfolgreich gekämpft oder war ihnen die Flucht gelungen, dann war der Blutzucker durch die intensive Bewegung auch wieder aufgebraucht und es war höchste Zeit, sich in die sichere Höhle zu begeben, um dem Körper genug Zeit zu geben, die Stresshormone abzubauen, seine Zellen reparieren, sein Immunsystem zu stärken und das Verdauungssystem wieder zu aktivieren.

Stress ist erst dann schädlich für die Gesundheit/für unser Immunsystem, wenn er dauerhaft ist

Heute sind wir - zumindest in unseren westlichen Kulturen, die das Glück haben, in keine Kriege verwickelt zu sein - kaum akuten tödlichen Gefahren ausgesetzt, gegen die wir sofort körperlich kämpfen müssen.

Das Problem heute ist nicht, dass wir manchmal Stress haben, das kann sogar sehr gesund und aktivierend sein, solange wir die Dinge, die wir tun auch gerne tun und uns danach ausreichend bewegen, um die Stresshormone wieder abzubauen. Das Problem ist heute, dass die meisten Menschen von uns durch den Wahnsinn unseres Gesellschaftssystems sozusagen dauerhaft unter Stressstehen, sich kaum bewegen, schon gar nicht in der Natur und so zu einem Sammeldepot für Stresshormone geworden sind.

Unser Sympathikus läuft bei Stress also konstant auf Hochtouren, wir sind vollkommen aus unserem natürlichen Rhythmus gekommen, unsere inneren Uhren sind im Chaos, von einer bewussten Verbindung mit den Rhythmen der Natur, die uns heilen könnte, ganz zu schweigen. Wir leben wie in einem 24 Stunden Rockkonzert.

Cortisol pulst weiter durch unsere Blutgefäße und entlässt weiter Zucker ins Blut, unser Blutzuckerspiegel steigt an und lässt uns nicht schlafen, wir fühlen uns dauerhaft angespannt, tagsüber müde und abgeschlagen.

Dies kommt auch daher, dass unsere Nebennieren unter Dauerstress gekommen sind, sie können auch kein DHEA, kein Anti-Aging Hormon mehr bilden.

Unsere Verdauung funktioniert nicht mehr ordentlich, die Regeneration unseres Immunsystems ist „on hold“, dadurch werden wir leichter krank. Die Folge sind, wie sie treffend genannt werden, die „Zivilisationskrankheiten“, wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und immer öfter das oben schon erwähnte „Burn-Out“. Auch die Ausbreitung von Krebs wird durch den chronischen Schlafmangel begünstigt.

Bruce Lipton sagte mir in einem Interview, dass er und viele seiner wissenschaftlichen Kollegen davon überzeugt sind, dass 99% aller Krankheiten von Stress ausgelöst werden, die restlichen 1% stammen von Stress unserer Vorfahren.

Dazu sei noch angemerkt, dass Stress nicht nur durch akute Gefahren, Termindruck und unseren inneren Verstandesdiktator ausgelöst wird, sondern auch durch den Stress, den unsere Zellen erleiden, wenn sie zum Beispiel künstlich erzeugten elektromagnetischen Strahlungen oder Umwelttoxinen ausgesetzt sind. Darüber kannst du zum Beispiel auf der Homepage www.5Gunplugged.com weiter informieren.

Dieser lange Blog ist ein Auszug aus dem Rohmanuskript meines Buches an dem ich gerade schreibe. Ich veröffentliche ihn heute, da ich denke, dass es wichtig ist, über die biophysischen Vorgänge, die durch Stress (Angst!) ausgelöst werden, Bescheid zu wissen. Selbstverständlich belasse ich es nicht bei diesem Blog, da es mir im Wesentlichen ja immer um die LÖSUNGEN geht. Diese findet ihr im Blog-Artikel über Angst (VERLINKEN)

Mit einem sympathischen parasympathischen Gruß

Catharina

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